Dolpo - Ein weit abgelegener Distrikt Nepals

Dolpo

Dolpo (Tibetisch) oder Dolpa (Nepali) bildet heute einen der Nordwestlichen Distrikte Nepals an der Grenze zu Tibet. Obschon es flächenmässig der grösste Distrikt ist, ist er sehr dünn besiedelt und umfasst eine Bevölkerung von nur rund 30'000 Bewohner*innen.

Im nördlichen Teil des Distrikts, einem der höchsten Siedlungsgebiete der Welt, das zum Grossteil über 3000 Metern über Meer liegt, lebt eine tibetisch-sprechende Bevölkerung, die sich selbst als Dolpo-pa (einer aus Dolpo) bezeichnen. Da Ackerbau und Viehzucht in diesem kargen Gebiet nicht ausreichen, werden weitere Güter über den Handel bezogen. Im Sommer ziehen die Männer mit ihren Yak-Karawanen nach Tibet, während die Frauen mit den weiblichen Tieren, den Dri auf den Hochweiden leben und dort Butter und Käse produzieren. In Tibet wird Getreide gegen Tee, Salz, Wolle und Butter sowie moderne Güter eingetauscht. Im Frühling und Herbst werden die erworbenen Güter dann im südlichen Dolpo oder gar Jumla erneut eingetauscht. Im Winter verlassen die Menschen ihre Hauptdörfer und ziehen in ihr Winterdorf oder, wer es sich leisten kann, reist für eine Pilgerreise nach Kathmandu. Religiös sind die Dolpo-pa der Bön-Tradition oder dem Buddhismus zuzuordnen, während der südliche Teil Dolpos vorwiegend hinduistisch ist oder schamanistische Praktiken ausübt. Die Tapriza Schule befindet sich im Bezirk Shey-Phoksumdo, benannt nach dem kristallklaren blauen See, dem Herz des Bezirks und dem Kristallberg (Shey).

Phoksumdo umfasst die Dörfer Ringmo, Pugmo, Rike und Renji und bildet das Haupteinzugsgebiet für die Schüler*innen der Tapriza Schule. Das Schulhaus liegt zentral an der Kreuzung mehrerer Handelswege und ist inzwischen für die Dorfbevölkerung zu einem wichtigen Begegnungsort geworden, insbesondere während Schulaufführungen und kulturellen Anlässen. Bis heute führt keine Strasse zur Schule, und ein Zugang ist nur zu Fuss von Dunai aus möglich. Es existiert inzwischen spärlich Solarenergie und neuerdings ein paar Telefonantennen, die aber nur unzuverlässig funktionieren. Es gibt nur in Dunai im neuen Spital etwas ärztliche Versorgung, ansonsten müssen die lokalen Gesundheitsposten der Regierung und der tibetische Medizinposten die medizinische Versorgung soweit möglich übernehmen. Die Bildungsrate war bis zum Start der Tapriza Schule äusserst gering und beschränkte sich in den meisten Regionen (falls überhaupt) auf die Primarstufe. Dies hat sich inzwischen seit dem Start der Tapriza Schule und weiterer Schulen in anderen Tälern glücklicherweise stark verbessert. (verfasst von Marietta Kind)

 

Dolpa Distrikt Informationen gemäss dem Distrikt Profil von 2002 und 2021, ergänzt:
  •     Grösse: 7889 km2 (Grösster Distrikt Nepals)
  •     Höhe: zwischen 1'525-7'625 m ü.M.  
  •     Anzahl Bezirke (VDC = Village Development Committees): 23
  •     Zugehörig: zur Karnali Provinz
  •     Distrikthauptort ist Dunai.
  •     Bevölkerungszahl: 42,774 (2021 Zensus), 29'545 (2002 Zensus)
  •     Lange kein Spital nur einige Gesundheitsstationen
  •     Seit 2024 neuer Spital im Distrikthauptort Dunai
  •     Seit 2018 erste verbindende Strasse vom Süden bis nach Dunai, diverse Strassen im Bau

 

Lage an der Grenze zu Tibet

Auf Google Maps findet man die Schule hier:

Tapriza School

Geschichte Dolpos

 

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Dolpo zu Tibet und stand unter dem Einfluss der Nachbarskönigreiche und Fürstentümer Lo und Jumla. Später wurde Dolpo ein Protektorat von Lo, dem heutigen Distrikt Mustang. Nach der Vereinigung von Nepal zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde durch die Grenzziehung zwischen Nepal und Tibet die Verbindung zu Lo unterbrochen. Seit der Einführung des nepalesischen Panchayat-Systems gehörte Dolpo zu Tichurong im Süden, wo es auch noch heute Steuern zahlt. Nepals Öffnung für den Tourismus im Jahr 1951 bewirkte Änderungen in vielen Regionen von Nepal. Dolpo wurde 1974 wieder geschlossen, angeblich, da sich im Gebiet tibetische Khampas (tibetische Kämpfer mit dem Ziel eines freien Tibets) versteckt hielten und dies wiederholt Konflikte mit der nepalesischen Armee hervorrief. Andererseits bestand die Gefahr, dass China diese vormaligen tibetischen Königtümer einfordern könnte.

Im Jahr 1989 wurden die südlichen Gegenden Phoksumdo, Tichurong und Tarap wieder für den Tourismus geöffnet. Während langer Zeit bestand die Bevölkerung des nördlichen Dolpo aus tibetisch sprachigen Bewohnern, die sich zu verschiedenen historischen Phasen angesiedelt hatten. In Nepal werden diese Bevölkerungsgruppen entlang der tibetischen Grenze mit dem Sammelbegriff Bhotia (die Leute aus dem Norden) bezeichnet. Im nördlichen Teil von Dolpo sind die Bewohner Anhänger von verschiedenen buddhistischen Schulen (Nyingma, Kagyü und Sakya) und der Bön-Religion während im südlichen Teil verschiedene Bergkulte, Formen des Schamanismus (jhankris und dhami) und inzwischen vor allem Hinduistische Glaubensvarianten vorherrschen. Nach der Besetzung Tibets und dem Aufstand in Lhasa 1959/60 flüchteten einige Tibeter durch Dolpo oder liessen sich nieder. Die Bewohner Dolpos, leben hauptsächlich in den Dörfern und erzielen ihren Lebensunterhalt von der Landwirtschaft, dem Handel und der Tierzucht.

(verfasst von Marietta Kind)

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